Warum tragen?

Die Frage nach dem „Warum“ ist nicht unbegründet. Wir leben im Zeitalter modernster Kinderwagen und Transportmöglichkeiten für alle Alterklassen. Vom simplen Buggy über Kombikinderwägen angepasst an alle Untergründe, Fahrradsitze, allerlei Schiebewägelchen und Kinderfuhrparks. Eigentlich ist für jedes Eltern-Kind-Gespann etwas Passendes dabei und tragen kann schnell unnötig oder umständlich erscheinen. Warum es eine ganze Reihe guter Gründe gibt, wieso man doch tragen sollte und welche Vorteile sich aus dem korrekten Tragen ergeben, könnt ihr hier nachlesen:

 

 

PS: der Einfachheit halber verwende ich im Text nur die Bezeichnung "Mama" als Trageperson. Natürlich gelten die positiven Effekte auch für das Tragen der Papas oder anderer Bezugspersonen.

  • Hände frei für die Eltern                                                             Beim Einkaufen, Haushalten oder in anstrengenden Schubzeiten; wer sein Baby vor dem Bauch oder auf dem Rücken trägt, hat einfach mal beide Hände frei und den Nachwuchs trotzdem sicher dabei.
  • Stärkt die Bindung                                                                     Der Mensch wird als Tragling geboren und ist in seiner ersten Lebenszeit vollkommen von den Eltern abhängig. Hier laufen evulotionsbiologische Grundprogramme ab, die seit Tausenden von Jahren gespeichert sind. Die Nähe zur Bezugsperson bedeutete ursprünglich für ein Kind Schutz, Sicherheit und die Möglichkeit „erwachsen“ zu werden. Bindung war daher überlebensnotwendig und wird hormonell gesteuert. Und auch heute noch gilt: Getragene Babys haben i. d. R eine stärkere Bindung zu ihrer Bezugsperson. Tragen befriedigt ihre Grundbedürfnisse.
  • Bietet die Möglichkeit, die Welt auf Augenhöhe zu erkunden
  • Vereinfacht die Reizverarbeitung                                                  Für ein Neugeborenes ist jedes Geräusch, jedes Bild, jeder Geruch, jede Wahrnehmung ein neuer Reiz, den es zunächst verarbeiten und einschätzen lernen muss. Was für einen Erwachsenen normal ist, kann ein Baby schonmal verstören. Beim Tragen kann ein Kind selbst entscheiden, ob es weitere Reize aufnehmen kann/möchte oder den Blick lieber abwendet und an Mamas Brust Entspannung findet. Außerdem kann es mit einem kurzen Blick ins vertraute Gesicht schneller einschätzen, ob eine Situation potentiell verstörend ist oder nicht.
  • Fördert die kindliche Motorik und das Gleichgewicht                               Ausführlichere Infos unter "Tragen aus physiotherapeutischer Sicht"
  •  Unterstützt die physiologisch korrekte Ausreifung der Hüfte                  Ausführlichere Infos unter "Tragen aus physiotherapeutischer Sicht"
  • Passt sich den anatomischen Gegebenheiten der kindlichen Wirbelsäule an Ausführlichere Infos unter "Tragen aus physiotherapeutischer Sicht"
  •  Getragene Babys weinen weniger                                      ->Stressreduktion für die Eltern                                                    Studien beweisen, was die meisten Eltern vermutlich selbst schon erlebt haben: ein schreiendes Baby beruhigt sich auf Mamas Arm schneller. Der selbe Effekt tritt beim „Babytragen“ auf dem Rücken oder vor dem Bauch auf. Weniger weinen verringert den Stress der Eltern und entlastet v.a. Eltern von Schreikindern. Außerdem sorgt die Nähe zum Kind (ähnlich wie das Stillen) für die Ausschüttung von körpereigenen Anti-Stresshormonen. Ein wichtiger Regulator für Mamas Wohlbefinden.
  • Verbessert die Kommunikation & Feinfühlichkeit zwischen Mutter und Kind           So nah an Mamas Bauch gekuschelt, nimmt diese bereits kleinste Regungen und Kommunikationsversuche ihres Kindes wahr. Man hat nachgewiesen, dass Tragemütter ihre Kinder häufig besser und v. a. schneller lesen lernen
  • Ermöglicht es, Mama ins Gesicht zu blicken                                              Babys Sicht ist zunächst nur wenige Cm weit. Alles über 30/40 cm ist nur unscharf, bis gar nicht zu erkennen. Das gilt auch für die geliebte Mama am anderen Ende des Kinderwagens. Sie verschwindet quasie aus Babys Sichtfeld und damit bis zum Alter von ca 1 Jahr aus Babys Wahrnehmung. Stichwort: Objektpermanenz!

 

Trageberatung Tragekind

 

 
 

 

  • Beruhigt und macht oft müde                         Getragen werden erinnert an die Bauchzeit. 9 Monate lang wächst ein Baby behütet und eng eingeschlossen in Mamas Bauch heran. Es spürt jede ihrer Bewegungen, hört ihre Stimme, nimmt den Klang der Atmung und des Herzschlages wahr. Kurzum: es lernt diese Umgebung als beruhigend kennen. In der Trage, so eng an Mama angeschmiegt, erinnert alles an diese Zeit. Das beruhigt die allermeisten Babys, schafft Vertrauen und Entspannung. Und wer entspannt ist, der kann auch gut einschlafen.
  • Verringert das SIDS Risiko                           Die wahrnehmbare Atemtätigkeit und der Herzschlag der Mutter stimulieren die dafür angelegten Zentren im Gehirn des Babys und können daher das Risiko für den plötzlichen Kindstod verringern.
  • Verbessert die Verdauungssituation               Die aufrechte Position in korrekter Anhock-Spreizhaltung, sowieo die "massierend" wirkenden Bewegungen der Mutter üben einen stimulierenden Effekt auf das Verdauungssystem aus.
  • Ist einfach praktisch!                                  Kinderwagen nehmen Platz weg und können unhandlich sein. V.a. in öffentlichen Verkehrsmitteln oder im Getümmel. Ebenso auf unebenen Untergründen, wie im Wald oder auf der Wiese, erleichtert das Tragen das Forwärtskommen ungemein.

Kurzum: Tragen ist natürlich und bedürfnisorientiert! Sorgen Dritter, oft älterer Generationen, ein Kind würde verwöhnt, unselbstständig erzogen oder nehme sogar gesundheitlichen Schaden, sind heutzutage mehrfach wissenschaftlich und ausgiebig untersucht und widerlegt worden! Wenn Mutter und Kind sich dabei wohlfühlen, dann kann (korrektes!) Tragen guten Gewissens als wunderschöne, praktische, mit vielen positiven Effekten belegte Alltagshilfe angesehen werden. Es ist garantiert eine Bereicherung für jedes Kind und schafft viele schöne und besonders innige Momente!