Rückenschmerzen beim Tragen? Woran kann es liegen? Was hilft?

Grundsätzlich gilt: Richtiges Tragen sollte keine Schmerzen verursachen!!!

Bei einem kleinen Baby ist Tragen oft eine „leichte“ Vorstellung. So ein Neugeborenes wiegt i.d.R. nicht mehr als 3-5kg. Doch umso älter die Kinder, umso schwerer werden sie. Und damit steigt die Anzahl der Eltern, die aus verschiedensten Gründen nichtmehr tragen wollen/ können. Ein Klassiker unter den Gründen ist sicherlich der eigene Rücken, der schnell schmerzt.

 

Tragen ist jedoch keinesfalls eine Domäne von Kleinstkindern. Als Mama eines recht schweren, großen Sohnes kann ich davon ein ganz eigenes Liedchen singen. Aber woran liegt es, wenn Rückenschmerzen auftreten? Und wie kann man ihnen vorbeugen?

 

Hier möchte ich einige kleine Informationen zu Ursachen und Abhilfen zusammentragen. Vorab möchte ich jedoch betonen, dass eine Internetseite niemals einen Arzt oder Physiotherapeuten ersetzen und maximal einen Leitfaden darstellen kann. Bei ernsthaften Beschwerden muss unbedingt direkte Hilfe eingeholt werden!

Mögliche Ursachen für Rückenbeschwerden beim Tragen:

 

a. „Zu spät“ angefangen

Wirklich zu spät zum Tragen ist es selten! Auch späte Tragebeginner können von der Nähe und der Praktikabilität profitieren. Fakt ist jedoch, wenn man bereits unmittelbar nach der Geburt mit dem Tragen beginnt, können sich die Muskeln an die neue Belastung gewöhnen und recht einfach „mitwachsen“. Rückenbeschwerden sind dann tatsächlich seltener. Beginnt man erst später mit dem Tragen, kann das gesamte Muskelkorsett durchaus mit Anpassungsschwierigkeiten reagieren. Mit verschiedenen Übungen kann man hier jedoch unterstützend tätig werden.

 

b. Unpassende Tragehilfe

Eine Trage ist nicht gleich eine Trage. Im Laufe der letzten Jahre ist der Tragemarkt regelrecht von Modellen überschwemmt worden. Aber nicht alles, was auf dem Mark erhältlich ist, lässt sich uneingeschränkt empfehlen. Eine liebe Bekannte (ebenfalls Trageberaterin) schrieb einmal: „Beim Tragen ist es wie beim Schuhe kaufen, sie müssen einfach passen.“ Das beschreibt sehr treffend, wie wichtig es ist, auch beim Tragen verschiedene Modelle und Bindeweisen auszuprobieren. Jedes Mutter-Kind-Gespann ist individuell in Größe, Gewichtsverteilung, Körperproportionen, usw. Eine schlecht sitzende Trage kann schnell aufs Wohlbefinden des Trägers schlagen. Ebenso gilt: Nur weil Tragemöglichkeit XY im Säuglingsalter bequem ist, muss das nicht für immer so bleiben. Mit dem Wachstum können sich ganz klar auch die körperlichen Gegebenheiten verändern.

 

c. Ungünstige Trageweise

Besonders beim Tragen in Fahrtrichtung, d.h mit dem Gesicht nach vorne/vom Träger weg können schnell Rückenschmerzen bei der Mutter entstehen. Die unphysiologische Haltung des Kindes (Überstreckung von Babys eigentlich noch rundem Rücken) verhindert, dass das Kind vergleichsweise feste an den Körper der Mutter gebunden werden kann. Gerade aber dieses enge Anbinden sorgt für eine gute Gewichtsverteilung und verhindert, dass der gemeinsame Körperschwerpunkt zu weit vor Mamas „Mitte“ fällt.

 

d. Unbekanntes Rückenleiden

So schön Tragen auch sein kann, manchmal bringt es ein unbekanntes Rückenleiden erst zum Vorschein. Je nach Beschwerdebild kann das tatsächlich leider auch mal das „Aus“ für die Tragebeziehung bedeuten. Das ist schade, aber kein Beinbruch. Viele positive Effekte des Tragens lassen sich mit etwas Mühe auch anderweitig erreichen.

 

e. Zu locker gebunden

Hier gilt das gleiche Prinzip wie bei Punkt 3. Ein Kind das zu locker gebunden ist, sorgt für eine ungünstige Gewichtsverteilung an Mamas Körper. Der Schwerpunkt verlagert sich weiter nach vorne/ hinten und muss muskulär ausgeglichen und gehalten werden. Eine Arbeit, die Mamas Muskulatur nicht ewig unbeeindruckt mitmachen wird.

 

f. Einseitige Belastung

Der Hüftsitz ist die natürlichste und eigentlich optimalste Trageweise. Leider ist sie (egal ob durch Mamas Arm gehalten oder einen Ring Sling/ seitliche Tragehilfe) asymmetrisch und belastet eine Schulter (i.d.R die gegenüberliegende Schulter), sowie die untere Wirbelsäule durch einseitiges Herausschieben des Beckens besonders stark. Auf Dauer kann das schnell unangenehm werden.

Tipps zur Besserung:

 

 

1. Trageweise kontrollieren

Zunächst einmal sollte kontrolliert werden, ob die genutzte Tragemöglichkeit gut eingestellt oder gebunden ist. Ist dies bereits der Fall, die Rückenschmerzen aber immer noch vorhanden, lohnt sich definitiv eine Trageberatung. Eine kompetente Trageberaterin kennt verschiedenste Tragemöglichkeiten und kann oft schnell einschätzen, welche Modelle ggf. zur Verbesserung in Frage kommen. Außerdem gibt es diverse Tipps und Tricks zur Einstellung und Optimierung der Tragemöglichkeiten, die in der Anleitung so nicht zu finden sind und zuerst ausprobiert werden können. Vielleicht hilft auch eine unkonventionelle Maßnahme bei der Erleichterung oder man legt das Augenmerk auf einen speziellen Bereich: gepolsterte Träger, Wechsel vom Bauch- zum Rückentragen, eine veränderte Knotentechnik, usw.

 

2. Tragehilfen abwechseln

Um bereits geärgerte Muskulatur zu schonen, kann es manchmal bereits reichen, regelmäßig zwischen Rücken-, Bauch- und Seitentrageweise zu variieren. Das kann innerhalb einer bestimmten Tragehilfe passieren, ggf. aber auch (sofern vorhanden) zwischen verschiedenen Modellen.

 

3. Tragezeit verkürzen

Tragen ist eine Bereicherung! Aber nur, solange es sowohl Träger als auch Kind gefällt. Es gibt keine Regel für eine bestimmte Minuten-/ Stundenanzahl am Tag, die man für das Erreichen der positiven Trageeffekte benötigt. Wenn keine andere Maßnahme Abhilfe schaffen kann, spricht nichts dagegen, die Tragezeit am Tag zu verkürzen. Auch kurze Trageeinheiten können schön und nützlich sein.

 

4. Muskelentspannung und Aufbautraining für den Rücken

Natürlich kann man auch wunderbar aktiv gegen Rückenschmerzen vorgehen. Vorbeugend kann man v.a. Nacken- und Lendenwirbelsäulenmuskulatur trainieren sowie eine gerade Haltung in Bewegung schulen. Ebenso sollte ein Blick auf den Beckenboden geworfen werden. Im Beschwerdefall kann Wärme in Kombination mit Bewegung helfen (z.B eine Wärmflasche oder warme Dusche und anschließend große, langsame Schulterkreise). Auch Massagen oder Entspannungstechniken wie z.B. Muskelentspannung nach Jacobsen sind eine gute Alternative um die Muskelspannung zu vermindern. Für den Hausgebrauch helfen manchmal auch Igelbälle oder sogenannte Faszienroller zum Bearbeiten bestimmter Schmerzregionen. (Nähere Übungen kennt der Physiotherapeut vor Ort.)

 

5. Arzt aufsuchen!

Wenn alle Maßnahmen kontrolliert wurden und sich keine Besserung einstellt, dann sollte auf jeden Fall ein Arzt zur Abklärung aufgesucht werden! Richtiges Tragen verursacht normalerweise keine Schmerzen!